Donnerstag , 8 September 2022

Pflegeheime und Corona: So war es in der zweiten und dritten Welle

Wie haben Pflegeeinrichtungen für Senioren die Herausforderungen der zweiten und dritten Coronawelle gemeistert? Das war die zentrale Frage einer Studie der WISAG Immobilienmanagement. Erfreulich ist, dass sich die technische Ausstattung und auch die konzeptionelle Vorbereitung nach Ansicht der Studienteilnehmer gegenüber der ersten Corona-Welle verbessert haben. Die Situation des Pflegepersonals ist jedoch weiterhin unzufriedenstellend, was sich auch in großen Unterschieden bei der Bewertung des Krisenmanagements zwischen Pflegekräften und Leitungsebene zeigt.

Gefragt nach der Schulnote für konzeptionelle Vorbereitung und Krisenbewältigung ihrer Einrichtung bewerten die Studienteilnehmer diese Aspekte durchschnittlich mit der Note „gut“ (konzeptionelle Vorbereitung: 1,9, Krisenbewältigung: 2,0). Gefiltert nach Funktion der Antwortenden zeigt sich, dass das Pflegepersonal die konzeptionelle Vorbereitung (2,5) und Krisenbewältigung (2,5) kritischer beurteilt als Vertreter der Leitungsebene und für beide Bereiche lediglich die Note „befriedigend“ vergibt.

Redebedarf und Personalmangel

Bei der Auswertung der Onlinebefragung wird deutlich, dass den Umfrageteilnehmern einiges auf der Seele liegt: Fast 20 Prozent von ihnen nutzten die Chance, am Ende der Befragung einen Kommentar zu hinterlassen. In den Studien aus den Jahren 2019 und 2020 war dieser Wert geringer. Die meisten, die 2021 einen allgemeinen Kommentar abgaben, reflektierten darin coronabedingte Herausforderungen – insbesondere die Personalsituation.

Zu wenig Pflegefachkräfte

Personalknappheit spiegelt sich auch an anderer Stelle der Befragung wider: Äußerten in der Befragung 2020 19,6 Prozent der Teilnehmer, dass nicht genügend Pflegekräfte vorhanden seien, stieg dieser Anteil in der aktuellen Umfrage auf 37,3 Prozent. Besonders angespannt scheint die Lage in Einrichtungen öffentlicher Träger zu sein: 45 Prozent der Antwortenden aus diesem Bereich nehmen einen Mangel an Pflegekräften in ihren Einrichtungen wahr.

„Die Personalsituation in der Pflege ist noch angespannter als sie es vor der Pandemie schon war“, so Ralf Pilger, Geschäftsführer der WISAG Immobilienmanagement. „Dass die teilnehmenden Pflegekräfte außerdem einige wesentliche Aspekte – etwa die Hygiene in den Einrichtungen oder die Krisenbewältigung und konzeptionelle Vorbereitung – deutlich kritischer beurteilen als Vertreter der Leitungsebene, ist zudem kein gutes Zeichen. Diese abweichenden Einschätzungen und der dadurch unterschiedlich groß wahrgenommene Handlungsbedarf können zulasten der Arbeitsplatzzufriedenheit der Pflegekräfte gehen und so letztlich die Personalnot weiter verschärfen.“

Quelle: Wisag | Photo by JESHOOTS.COM on Unsplash

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