Donnerstag , 22 August 2019

Leihgroßeltern: Miet-Oma und Opa als Kraftquelle für Jung und Alt

Die verschiedenen Generationen einer Familie sind heute oftmals nicht mehr an einem Ort vereint. Durch moderne Ausbildungs- und Berufswege, die eine hohe räumliche Flexibilität erfordern, sind Großeltern, Eltern und Enkeln manchmal hunderte Kilometer weit voneinander getrennt.

Auf der einen Seite gibt es also Großeltern, die ihre Enkel nur selten sehen können, und auf der anderen Seite Kinder, die ohne regelmäßigen persönlichen Kontakt zu Oma und Opa aufwachsen. Mit der Idee der „Leihgroßeltern“, auch „Mietoma“ beziehungsweise „Mietopa“ genannt, werden beide Gruppen zusammen gebracht: so gibt es im gesamten Bundesgebiet über 300 meist unkommerzielle und ehrenamtliche Vermittlungsstellen, die einander (noch) fremde Großeltern und Enkel zusammenbringen.

Was macht Leihgroßeltern so besonders? Wichtigster Unterscheid: eine Leihoma ist kein Babysitter! Zwar erhalten die Leihgroßeltern für ihre Betreuungsleistungen von den Eltern eine Bezahlung, allerdings ist dies nicht der Grund für die gemeinsam verbrachte Zeit mit dem Kind. Anders als Babysitter, die oft anlassbezogen gebraucht werden, besteht der Kontakt zwischen Leihgroßeltern und Kindern eher regelmäßig zu festgelegten Zeiten, zum Beispiel an zwei oder drei Nachmittagen in der Woche. Leihgroßeltern sollen feste Bezugspersonen für ein Kind werden und sich als berechenbare Größe in das Leben ihres Leihenkels einbringen können.

Tatsächlich macht die Art und die Qualität der Beziehung zwischen Leihgroßelternteil und Leihenkel den besonderen Reiz des Modells aus. Einen Leihenkel zu bekommen, macht wieder jung und zuversichtlich. Kinder schenken den Bestagern und Senioren Lust auf Neues, geben ihren eigenen, unverbrauchten Blick auf die Welt weiter und schaffen das befriedigende Gefühl, die eigene Lebenserfahrung weiter zu geben. Gelegentliche Schwierigkeiten kommen wie in allen Beziehungen vor, doch was auf längere Sicht bleibt, sind positive Erinnerung an die gemeinsam verbrachte Zeit.

Ein ähnliches Modell, das für die Älteren aber weniger Aufwand mit sich bringt, sind so genannte gezielte Patenschaften. So gibt es Lesepaten, Sportpaten, Jobpaten und viele andere, die Kinder und Jugendliche gezielt zu bestimmten Themen beraten und fördern können. Eine Lesepatin beispielsweise könnte einmal die Woche nachmittags Besuch von einem Grundschüler bekommen, der bei seiner Patin ohne elterlichen Druck die Lust am Lesen erfahren kann. Ein Berufspate hingegen berät einen Teenager, die zwischen Schule und Ausbildung stehen, beim Einstieg ins Berufsleben und auch die „Erwachsenenwelt“ – hier sind vor allem männliche Paten sehr gefragt.

Und wie wird man nun Leihoma oder –opa? Erster Ansprechpartner in mittleren und größeren Städten sind oftmals Seniorenbüros oder bestimmte Stellen für Ältere in der Stadtverwaltung, die Adressen und Ansprechpartner für lokale oder stadtteilgenaue Vermittlung vorhalten. Auf dem Land können meist die Kirchengemeinden weiterhelfen. Bundesweit bietet im Internet die Webseite www.aktivpaten.de eine gute Übersicht von lokalen Vermittlungsstellen, die zukünftige Großeltern und Enkel zusammen bringen.

Weitere Informationen

www.aktivpaten.de – bietet eine gute Übersicht lokaler Vermittlungsstellen

www.muetterberatung.de – weitere Informationen zum Konzept „Leihgroßeltern“

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