Dienstag , 19 März 2019

Zu Hause wohnen mit Demenz – 26 Tipps & Tricks aus der Praxis

„My home is my castle“, wie die Engländer so schön wissen. Das eigene Zuhause gibt ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit und gilt als Hort der eigenen Identität. Dies trifft umso mehr auf Menschen mit Demenz zu die zu Hause den allergrößten Teil ihrer Zeit verbringen. Rund zwei von drei Demenzkranken in Deutschland* leben noch in den eigenen vier Wänden. Wenn bestimmte Rahmenbedingungen erfüllt sind, können sie oft noch lange zu Hause wohnen bleiben.

Ein wichtiger Teil ist das Zurechtkommen im häuslichen Alltag ohne dauerhafte Betreuung. Leider sind die wenigsten bestehenden Häuser und Wohnungen heute schon barrierefrei eingerichtet. Ein vollständige Barrierefreiheit ist in den meisten Betreuungszenarien aber auch gar nicht nötig. Schon recht einfache Mittel können den Alltag für Demenzkranke stark erleichtern und länger handhabbar gestalten. Wir haben 26 Tipps dazu aus der Praxis für Sie zusammengestellt, eingeteilt nach typischen Wohnräumen.

 

Tipps für die ganze Wohnung

  • Zimmertüren und wichtige Schränke sollten mit Schildern wie „Badezimmer“ oder „Wohnzimmer“ versehen werden, so dass im eigenen Heim keine Verwirrung entsteht.
  • Haustüren können einfach mit einem Vorhang „versteckt“ werden, wenn eine demente Person nicht alleine nach draußen gehen soll
  • Spiegel sollten am besten hochkant aufgehängt werden, um eine stehende wie sitzende Betrachtung zu ermöglichen.
  • Große Kalender mit Jahreszeitbildern an verschiedenen Stellen im Haus platziert (Flur, Wohnzimmer, Küche) erleichtern die zeitliche Orientierung.

 

Badezimmer

  • Die Dusche sollte möglichst flach und bodeneben sein, so dass kein „Einstieg“ notwendig wird.
  • Verbrauchsmaterialien wie Waschgels, Zahnpaste usw. sollten mit einer Farbe oder einem persönlichen Motiv gekennzeichnet werden, um zum Verbrauch anzuregen.
  • Putzmittel und Arzneien müssen unzugänglich hinter verschlossenen Schranktüren aufbewahrt werden.
  • Die Tür zum Badezimmer muss breit, schwellenfrei und unbedingt von außen im Notfall zu entriegeln sein.
  • Der Fußboden sollte so rutschfest sein, dass Badematten und andere Fußbodenauflagen vermieden werden können (Rutschgefahr!).
  • Die Armaturen für Warm- und Kaltwasser benötigen einen Verbrühschutz, müssen leichtgängig und verständlich zu bedienen sein und über eine automatische Ausschaltung verfügen.
  • Das WC / Klobrille muss erhöht werde, damit Aufstehen und Hinsetzen leichter fällt.
  • Wichtig sind auch Haltegriffe neben der Toilette und in der Dusche.

 

Schlafzimmer und Bett

  • Die Matratzenoberkante sollte sich mindestens 50 cm erhöht vom Boden befinden, um das Aufstehen ohne großen Kraftaufwand zu ermöglichen.
  • Die Kleidung für den Tag wird am besten am Vorabend schon herausgelegt. Wichtig: richtige Anzieh-Reihenfolge beachten (Unterhose vor Hose usw.).
  • Schränke und Schubladen für Bekleidung können einfach beschriftet werden, bestenfalls mit Text und Bild wie beispielsweise „Unterhosen“ gleichzeitig.
  • Ein Bewegungsmelder für automatisches Licht hilft bei nächtlichen Gängen und vermeidet Panik beim Aufwachen.

 

Küche

  • Tischdecken und Tischsests sollen möglichst einfarbig und kontrastreich sein. Dies macht Geschirr und Besteck besser erkennbar und erleichtert die Orientierung auf dem Tisch beim selbständigen Speisen nachfüllen.
  • Die Küchenuhr muss groß und leicht zu lesen sein, bestenfalls zeigt sie außerdem Datum und Wochentag an.
  • Für einige Küchenschränke kann es hilfreich sein, die Schranktüren abzubauen (sofern hygienisch sinnvoll). Dies erinnert an die regelmäßige Nahrungsaufnahme.
  • Fest installierte und mit dem Internet verbundene Rauch- und Wasserschadenmelder alarmieren auch abwesende Personen bei Gefahr sofort.
  • Eine automatische Herdabschaltung verhindert das Anbrennen von Speisen und die Entstehung von Feuern.
  • Bekannte, altmodische Küchengeräte aus der Vergangenheit können demente Personen anregen, wieder mehr selbst in der Küche tätig zu werden.

 

Wohnzimmer

  • Fotos und Bilderrahmen als Erinnerungsstützen helfen, sich bekannte Gesichter und Beziehungen zu merken und aktivieren zur Kontaktaufnahme mit Angehörigen.
  • Regale und Schränke sollten möglichst offen oder mit durchsichtigen Türen versehen sein, um einen einfachen Überblick aller enthaltenen Gegenstände zu ermöglichen.
  • Stofftiere, Puppen und „Nesteldecken*“ beschäftigen, können Trost spenden und bieten auch die Möglichkeit, Gefühlen beim Sprechen Ausdruck zu verleihen.
  • Vorhängen vor den Fenstern verhindern ungewollte Spiegelungen, die die demente Person erschrecken oder verunsichern könnten.

 


* Lt. Information der Bundesregierung (Quelle)
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