Sonntag , 21 April 2019

Leider schlecht für die Gesundheit: medizinischer Rat aus dem Internet

Mit nur einem Klick zum guten Rat? Das hört sich gut an, lässt sich doch im Internet bekanntlich für fast alles eine (mehr oder weniger funktionierende) Lösung finden. Die tatsächliche eigene gesundheitliche Gefährdung oder sogar Erkrankung lässt sich so aber nicht korrekt einschätzen.

Es klingt so verlockend: kein stundenlanges Sitzen im Wartezimmer, keine Scheu bei „dummen Fragen“, zeitgleicher Zugriff auf die verschiedensten Quellen, und obendrein ist es auch noch kostenlos – medizinische Seiten im Internet bieten zahlreiche Informationen und Anregungen bei gesundheitlichen Problemen. Doch überwiegen fehlerhafte und unseriöse Seiten bei weitem, und eine auf Grund von angelesenen Informationen gestellte Selbstdiagnose macht meist mehr Angst als zu helfen.

Seriöses und Unseriöses für Laien kaum unterscheidbar
Selbst bei sozusagen „amtlichen Informationen“ aus dem Internet wie beispielsweise wissenschaftlichen Leitlinien von Fachgesellschaften ist Vorsicht geboten. Laien interpretieren hochfachliche Details und Einschätzungen zu stark und werden so leicht verunsichert. Vor allem Gefährdungslagen wie die Häufigkeiten von Nebenwirkungen werden grob überschätzt. Auch vermeintliche Patienten-Webseiten zur Selbsthilfe wie beispielsweise Foren zu bestimmten Krankheiten sind mit Vorsicht zu genießen: so kann sich hinter „Gertrud53“ im bunten Schlankheitsmittel-Forum, die das neuste Mittelchen in höchsten Tönen lobt und enthusiastisch viele Smileys in Ihren Text mit aufnimmt, nicht selten ein Mitarbeiter einer PR-Agentur verbergen. Dies ist jedoch meist nicht erkennbar, so dass die Ratsuchenden in die Irre geführt werden. Seriöse Patientenforen fragen auch keine persönlichen Daten wie die E-Mail-Adresse, Telefonnummer oder Patientengeschichte ab – hier zeigen sich für Patienten schnell die ersten Alarmzeichen für eine unseriöse Information.

Krankeitsbild „Cyberchonder“
Ein Cyberchonder beschreibt einen Menschen, der via Internet Symptome bei sich selbst beobacht und versucht, eine fundierte medizinische Diagnose zu stellen. Dabei steigern sich Cyberchonder immer mehr in einen Rückversicherungszwang hinein, der sie vom Computerbildschirm zum Arzt und wieder zurück schickt: verunsichert durch die online-gestützte Selbstdiagnose wird die Rückversicherung beim Arzt eingeholt, dass man selbst eigentlich doch ganz gesund ist – bis das nächste Zipperlein zu Hause wieder zu einer exzessiven Online-Suche führt und so der Kreislauf wieder von vorne beginnt. Erfreulicherweise führt psychologische Hilfe meist schnell zur Linderung einer ausgeprägten Cyberchondrie. Die Hilfesuchenden werden dann durch eine Expositionstherapie immer wieder stufenweise und kontrolliert ihrer Angst ausgesetzt, bis sie ihre Furcht überwinden können. Dazu wird meist als erstes eine geregelte Internetnutzung verordnet und die tägliche Surfdauer konsequent beschränkt. Perspektivisch lernen die Betroffenen dann, beim nächsten Angstanfall psychologische Hilfe zu suchen anstatt sich mit Hilfe des Internets und Arztbesuchen selbst zu beruhigen.

Zuverlässige Informationen bei Krankenkassen
Welche Informationen zu medizinischen Themen im Internet sind denn empfehlenswert? Hilfreiche und auf den Patientennutzen ausgelegt sind die Arzt- und Klinkfinder auf den Webseiten der Krankenkassen. Dazu gehören die Klinikfinder beim BKK-Dachverband – Klinikfinder und der Techniker Krankenkasse – Klinikfinder oder auch das Arztnavi, das gemeinsam von der BARMER GEK – Weisse Liste und der AOK – das Arztnavi betrieben wird. Nicht informativ, aber den Geldbeutel schonend sind auch seriöse Versandapotheken – wie man diese erkennt und sicher bestellen kann, erläutert Bestagerinfos in Beitrag „Medikamente im Internet – aber sicher!“ Tipp: Einen sicheren Klick gibt es immer – den auf der Homepage des Arztes seines Vertrauens, um einen Termin zu vereinbaren!


 

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